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Archivale des Monats Mai 2020

Der Galgenberg

Entwurf des Bindseil-Tempels auf dem Galgenberg, Mai 1920. (Georg Lindner / Heinrich Jost 1920)Entwurf des Bindseil-Tempels auf dem Galgenberg, Mai 1920. (Georg Lindner / Heinrich Jost 1920)Der Galgenberg ist heute als grüne Lunge am Rande der Stadt ein beliebter Ort für Spaziergänge und zudem als romantische Kulisse für das Abschlusskonzert der Händelfestspiele ein Begriff. Da, wo sich heute Wege auf die Porphyrkuppen schlängeln, wurden einst Todesurteile des Amtes Giebichenstein vollstreckt. Zwei Steinbrüche waren bis ins 20. Jahrhundert hinein in Betrieb.

Nach Eingemeindung des Ortes Giebichenstein 1900 ging nur ein Teil des Galgenberges an die Stadt Halle über, während der Nord- und Ostabhang mit dem Steinbruch 1905 vom Verschönerungsverein übernommen und nachfolgend zu einem öffentlichen Park umgestaltet wurde. Über Jahre hinweg organisierte und finanzierte der Verein Bepflanzung und Terrassierung von Flächen sowie die Schaffung eines Wegenetzes. Wegen der Anpflanzungen und reizvollen Aussicht fand der Galgenberg bald auch in Fremdenführern Erwähnung. Das war vor allem dem damaligen Vorsitzenden, Amtsgerichtsrat Dr. Bernhard Bindseil, zu verdanken. Er wurde 1850 als Sohn des halleschen Philologen und Universitäts-Bibliothekars Heinrich Ernst Bindseil geboren und war langjährig als Staatsanwalt und später als Richter am Königlichen Amtsgericht Halle tätig. Von 1898 bis zu seinem Tod 1919 leitete er den Verschönerungsverein und erwarb sich um die Gestaltung des Galgenbergs besondere Verdienste.

Die Akte „Die Galgenberge“ aus dem Bestand Garten- und Forstverwaltung (A 2.15 Kap. XI Abt. C Nr. 26 Bd. 1) dokumentiert die Verhandlungen zur Übernahme des Galgenbergs durch die Stadt Halle. 1919 bot der Verschönerungsverein dem Magistrat die Abtretung seiner Rechte am Galgenberg an und stellte unter anderem die Bedingung, dem kurz vorher verstorbenen Vorsitzenden eine Ehrung in Form einer Monumentalbank oder ähnlichen Anlage auf Kosten der Stadt zuteilwerden zu lassen. 

Eine im Mai 1920 eingereichte Zeichnung sah einen Tempel mit Betonsäulen und einem offenen pergolaartigen Gitterwerk aus Holz vor, das durch Bepflanzung zu einem grünen Laubdach werden sollte. Innen waren ein Gedenkstein und drei Bänke vorgesehen. Unterzeichnet ist die Skizze von dem damals beim Hochbaumt angestellten Architekten Georg Lindner und Stadtbaurat Wilhelm Jost. Beide hatten vorher bereits bei der Konzipierung des Gertraudenfriedhofs zusammengearbeitet. Aus Kostengründen wurden sowohl der Entwurf des Tempels wie auch ein später erstellter für einen Gedenkstein abgelehnt. Der Verschönerungsverein verzichtete schließlich auf die Umsetzung dieser Bedingung. 

Literatur:
Führer durch Halle, 1909, V. Auflage, Halle 1909
Adressbücher Halle
Schultze-Gallera, Siegmar von: Topographie der Stadt Halle. Dritter Band, Halle 1924, S. 119